Ich erinnere mich: damals saßen die weiblichen Angestellten unserer Firma auf der einen Seite und wir, noch Lehrlinge, auf der anderen.
Dazwischen das leergefegte, für mich scheinbar unüberwindbare Tanzparkett wie ein dünn zugefrorener Teich auf dem schon der erste Schritt die Katastrophe bedeutete. Es war die Zeit der peinlichen Momente, wenn man von der netten Kollegin aufgefordert wurde und jedesmal mit der Aussage, man habe sich vorhin das Kniegelenk ganz fies gestossen, absagen mußte.
Damals in den späten 60-er und frühen 70-er Jahren, als die Socken schockfarben, die Krawatten breit, die Kragen hoch, die Haare der Jungs lang und die Röcke der Mädchen noch kürzer waren als jetzt. Damals, da gingen nur Spiesser und Lackaffen, Haßtypen eben, in die Tanzschule. Wir auf jeden Fall nicht, wir waren ja schließlich auch Rocker. Wer tanzen wollte, der zappelte in düsteren Partykellern wild und schweißtreibend nach den Songs der Stones, Kinks, Beatles und der Monkeys. Zu fortgeschrittener Stunde klammerten wir dann knutschend zur Musik von Donovan und den BeeGees.
Walzer, Rumba, Tango kannten wir lediglich vom HörenSagen, das war was für Eltern Onkels und Tanten. Somit indiskutabel.

Eines der größten Fehler im Leben, wie man heute besser weiß.
Denn das Rumgehampele von damals hilft nicht, wenn heute beim feinen Ball der elegante Schwung auf dem Parkett gewünscht ist. Und diese Situationen treten heute vielfach im Jahr auf, sei es im Urlaubshotel, bei privaten Einladungen und Feten oder Veranstaltungen wie Karneval, Diskotekenbesuche und Livemusikfeste.
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Viel später dann doch die ersten Versuche. Nach zwei Gläsern Schampus oder Bier war der Mut ausreichend groß, um mit der Ehefrau auf die hoffentlich brechend volle Tanzfläche zu gehen. Was dann folgte war ein motorisches Eigenkonstrukt bei dem die Gattin immer wieder sagte, was zu tun ist. Zur Not ging es aber hilfreich war es nicht wenn eine andere als die eigene Dame betanzt werden sollte. Hier half nur die Flucht in Richtung Herrenklo oder die ehrliche Aussage: "ich kann es nicht"

Und jetzt mal ganz im Ernst, wir hätten es gerne gekonnt, wären lieber die Traumtänzer gewesen. Weil's nämlich blöd ist und blöd aussieht, wie ein Tanzbär (vor)geführt zu werden.

Die Ehefrau, pragmatisch wie immer und perfekt zu jedem Rhythmus, hatte vor vielen Jahren die Lösung parat: "Wir machen einen Tanzkurs für Anfänger. Ich hab da was von einer Tanzschule gehört, da geht's ganz locker und ohne Zwang zu. Im Sommer sind da sogar schon Leute mit Badehose gesichtet worden, locker eben." Direkt meldeten auch zwei befreundete Pärchen mit ähnlicher Konstellation Bedarf an (die Damen tanzten mit Leidenschaft, die Herren mit der gleichen Leidenschaft nicht). Und: zu Beginn hat es sogar ein wenig Spass gemacht.
Wir merkten schnell, dass man am besten mit dem Diskofox durchs Leben kam.
Aber ganz besonders gefiel uns der Jive und die zugehörige Musik.

Meine Frau Uschi und ich machten dann den Schritt zur Königsdisziplin, dem Rock'n Roll, wohlgemerkt Mitte 30, um auch noch ein wenig "Kondition zu trainieren" für die wirklichen Sportarten. Wir trafen hier große, muskulöse, junge Herren mit ihren kleinen, wenig jüngeren, wespentaillierten, schmalbrüstigen Tanzpartnerinen. Bei uns war alles umgekehrt. Es kam wie es kommen mußte. Nach vielen schweisstreibenden Trainigsabenden wurde eine anspruchsvollere Figur unterrichtet, die bei mir mit einem in Gehgips verpackten Bänderriß endete.
Resultat: Rock`n Roll Musik - immer wieder,
Rock`n Roll Tanzen - nimmer wieder.
In einer Fernsehsendung sah ich zur gleichen Zeit einen Bericht über die Deutsche Meisterschaft im Boogie Woogie. Musik: Rock'n Roll (oder ähnlich), Tanz kein Rock'n Roll
Das was der Film zeigte, sah schöner, geschmeidiger, gefälliger, einfach "cooler" aus. Die tanzten nicht in glitzernden, eng anliegenden Trainingsanzügen, sondern in stilechten Klamotten, Petticoats, weite Hosen, bunten Jackets und sogar noch mit der passenden Haarfrisur. Die tanzten nicht, die schwebten und das zu teilweise fetziger Musik. Und, ganz offensichtlich, ich entdeckte keine akrobatischen Figuren.

Das war es, was ich brauchte!
Tanzbar bis jenseits der 100er Grenze und an jedem Ort mit jedem Outfit.
Da lohnt sich auch der Aufwand.
Fortan lernten wir nur noch diesen Tanz, erfuhren hierüber über das Tanzen im allgemeinen sehr viel, besuchten nach Jahren wieder eine Tanzschule um den Rest der Tänze nun auch "mal eben so nebenbei" zu erlernen. vom Diskofox über Salsa, Tango und den Rest des Standard- und Lateinprogramms. Ich sage Euch "fantastisch"
Man hat die Grundschritte aller Tänze im Kopf. Übrigens mit der Zeit fällt es einem immer leichter, die vorexerzierten Figuren nachzumachen, gut auszuführen und auch zu behalten, das zum abgedroschenen Thema "altern".
Die Figuren werden dann auf einmal auch ähnlich, das heißt ich finde Figuren aus dem Boogie Woogie im Diskofox oder Salsa wieder (oder umgekehrt)
Ich sage Euch, das wird zur Sucht. Du kriegst den Hals nicht voll. Jede Fete, jede Veranstaltung wird zum persönlichen Erfolg, Auftritte vor großem Publikum - sag mir wo, kein Problem.
Ich seh die Kollegen, Kumpels und früheren Leidensgenossen , wie sie sich den ganzen Abend am Bierglas festklammern, versuchend mit dem Nachbarn bei lauter Musik ein belangloses Gespräch aufrecht zu erhalten und dir dabei mit bewunderndem Blick zuschaun. Während du mit Ihren Freundinen, Töchtern und Ehefrauen auf der Tanzfläche richtig Lebensfreude entwickelst, Spaß an der Musik, an der Bewegung, an den netten Menschen hast und ein wenig Mitleid mit den barrierebehaftenen Jungs an der vollen Theke empfindest.

Jungs, ich spreche euch an: "Ihr wisst nicht was Euch entgeht !!!"
Die Ladies spreche ich an dieser Stelle nicht an,
die wissen das nämlich schon längst.
Die warten darauf, daß ihr euch "bewegt"

Chi vediamo,
Carlo


in Bearbeitung

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